Montag, 2. Februar 2015

Schöner Wohnen

Und? Wie isses bei Ihnen so? Also, das muss ich Ihnen nu wirklich mal erzählen! Saagenhaft! Also wirklich. Der Bauer und ich sind neulich in der Stadt gewesen! Wie? Na, bis Wedel sind wir mit dem Auto und dann mit der S – Bahn. Der Bauer fährt nicht so gerne in der Stadt. Wir haben eine Tageskarte genommen, dann ist es billiger. Wir waren ja an dieser Schule eingeladen, da sollten wir von unserer Arbeit hier auf dem Lande und am Deich berichten. Das is ja auch wirklich spannend! Aber – davon will ich ja gar nicht erzählen, eigentlich. Nur soviel, ich sollte meine Klappe halten, wenn wir in der Schule sind und ihm das Reden überlassen, meinte der Bauer. Na schön, habe ich dann gemacht. War ganz nett und allzu großen Blödsinn hat er auch nich erzählt da. Aber – jetzt kommts – danach – also das muss ich Ihnen nu wirklich erzählen – danach sind wir denn weiter in die Stadt und haben noch was gegessen und uns etwas umgesehen! Dunnerwittstock!
Wir hatten ja Tageskarte und konnten so einfach mit der S – Bahn weiterfahren und mit der U – Bahn. Das ist vielleicht witzig! Eben fährt man noch an der Elbe entlang, schaut auf die Schiffe runter und danach den Leuten ins Wohnzimmer, und die wohnen schon auf der Etage, und dann auf einmal ist man unter der Erde! So schnell kann das gehen! Wir waren dann an der Alster und sind etwas rumgelaufen. Sehr schön! Und viele Leute dort. Aber keine Schafe. Schade eigentlich.
Und dann sind wir etwas essen gegangen. Also zuerst sind wir wieder mit der U – Bahn, nein, mit der S – Bahn, die aber da wie eine U – Bahn fährt, nach Altona. Da sind wir dann wieder aus der Erde gekommen. Der Bauer wusste wo es langgehen soll, also bin ich immer hinterher. Wir sind dann über eine breite Strasse drüber und dann eine Strasse, wo nur Leute laufen, längs. Und dann auf einmal bleibt er stehen und sagt: „Du leeve Chott, wat is dat grot!“ Schaut hoch, dann zu mir und meint, wir seien da. Ich kuck auch, ein ordentlich großes Haus vor uns. Ganz neu. Da gehen wir also rein.

Wir sind noch nicht ganz drin, da kommt auch schon so ein Kerl mit gelbem Hemd auf uns zu und ruft:“Das geht doch nicht! Wo wollen Sie mit dem Schaf hin?!“ Da habe ich den erst mal gefragt, ob bei ihm die Leute erst beim Menschen anfangen und gesagt, daß ich solche Diskrimidings gar nicht ab kann. Da hat er aber mal blöde geguckt und hat uns durch gelassen. - Wissen Sie, ich lasse mich noch nicht, einfach nur weil ich kein Mensch bin, so unfreundlich abservieren! Nich, was is denn das für eine Art!? - Also, wir da rein. Das war ein riesiges Kaufhaus. Da geht man nicht wie sonst, wohin man will, sondern alle gehen in eine Richtung. Wir also auch. Dann die Rolltreppe hoch und ins Restaurant. Ich hatte ja zuerst gedacht, wir müssen uns selbst was machen, denn da waren unten, wie wir rein sind, Küchen, aber da hat kein anderer der Leute was gekocht, also sind wir auch dran vorbei. Das Restaurant – riesig. Da haben wir uns erst mal einen Platz gesucht. Da hat der Bauer zu mir gesagt, ich solle zusehen, daß ich den frei hielte, er würde das Essen holen gehen. Das haben wir dann so gemacht. Arbeitsteilung. Irgendwann kommt er wieder mit einem Tablett angepustet und stellt das auf dem Tisch ab. Für mich hatte er Salat mitgebracht, der kennt mich ja, und für sich etwas, das sah doch sehr seltsam aus. So kleine Klüten. Mit Soße. Also, ich denk bei sowas erst mal an was anderes. Aber gut. Und Pommes. Von denen hat er mich mal probieren lassen. Gar nicht übel. Ich hab mir aber so ein Restaurant irgendwie anders vorgestellt. Wissen Sie, irgendwie so – feiner. Und es war laut da! Meine Güte. Da haben sie alle durcheinandergeblökt. Und die Kinder geschrien, als wenn sie gleich in den Topf sollten. Wie die Hühner, wenn die Bäuerin mit dem Hackebeil übern Hof läuft. Sie wissen schon. Dafür konnte man rausgucken. Das hat mir gefallen. So runter auf die Strasse schauen.
Nach dem Essen sind wir dann weitergelaufen. Das ging ja nur in eine Richtung. Und wir hatten noch nicht alles gesehen. Aber, das war irgendwie komisch, wir müssen uns da verlaufen haben. Da sind wir durch die Wohnung von den Leuten gekommen, die da arbeiten. Die wohnen da auch. Und die anderen Leute, die mit uns da rumgelaufen sind, sind dann einfach mal bei den Leuten, die da arbeiten, die waren ja nicht zu Hause in dem Moment, durch die Stube gelaufen und haben in die Schränke reingeschaut und so. Einer hat sich auch mal ins Bett rein gelegt. Das haben wir natürlich nicht gemacht. Ich hab denn immer pikiert weg gesehen. Das is ja büschen peinlich, nich? Der Bauer meint, die würden da in dem Kaufhaus die Möbel verkaufen. Also, die von den Leuten, die da wohnen. Das stelle ich mir schon nicht schön vor. Da kommt man denn abends nach Hause und mit mal is denn das Bett wech. Dann muss man auf dem Boden schlafen. Nicht schön sicher. Aber auch da wohnen – nee. Wenn man beim Frühstück sitzt, laufen einem da vielleicht schon die Besucher durch die Stube. Aber einen Kindergarten hatten die da. Oder, wenn ich mir das überlege, meinen Sie, die haben da auch die Kinder von den Leuten verkauft, während die auf Arbeit waren? Nein, glauben Sie nicht? Na, ja. Irgendwann haben wir dann den Aufzug gefunden, mit dem man zum Ausgang kommt. Und denn zurück mit der S – Bahn, das war ja nur noch n' Happen Schiet.
Hier hatte aber keiner in der Zwischenzeit die Möbel verkauft. Da war alles noch da. Aber, sagen Sie mal, vielleicht war ja der Mann mit dem gelben Hemd da am Eingang deshalb so komisch, weil er dachte, wir wollten ausgerechnet seine Möbel kaufen? - Meinen Sie nicht?

Kommentare:

  1. Na, das glaube ich eher nicht, sonst hätte er doch seine Möbel direkt an Ort und Stelle bewacht und mögliche Interessenten zur nächsten Stube geschickt. Oder meinst du nicht?

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  2. Ich dacht nur, wenn der unten arbeitet, kann er ja schlecht oben auf seine Möbel aufpassen, daß die ihm nicht wegverkauft werden. Deshalb steht er unten und schaut nach Leuten, die so aussehen, als wenn sie seine Möbel kaufen wollten. Oder er ist von den anderen Arbeitern da abgestellt, daß er aufpasst wenn Leute kommen, die aussehen, als wenn sie Möbel kaufen wollten.
    Oder - meinst Du, der hatte wirklich was gegen Schafe?

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    1. Der hatte bestimmt nichts gegen Schafe und gegen dich erst recht nicht, da bin ich ziemlich sicher. Vielleicht hatte er nur Angst, dass du dich aus Versehen auf die weißen Kuschelteppiche legst - keine Angst, die sind nicht aus echtem Fell - und der Bauer dich dann nicht mehr findet.

      Ich frage mich allerdings, wie man erkennen kann, ob jemand den gleichen Möbelgeschmack hat, wie man selber. Am Äußeren bestimmt nicht, denn stell dir vor, es käme jemand mit einem gelben Hemd, dann müsste der ja alle Stuben in diesem Möbelhaus wegkaufen.

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    2. Da, da, da! Genau das habe ich da auch gesehen! Da waren Schaffelle, die hießen alle Ludde! Da hat der Bauer aber gesagt, die seien nicht echt. Da waren aber auch noch in der Nähe Kuhfelle, die hingen da, wie in einem Melkstand. Das war ganz schön gruselig!
      Da gibt es sicher Erhebungen, wo festgestellt ist, was Schafe üblicherweise für Möbel kaufen. Das hat der Mann sicher gelesen und festgestellt, daß er die selben Möbel hat, die sonst nur Schafe kaufen. Und da hat er halt besonders nach Schafen Ausschau gehalten.
      Soll er sich doch halt anders einrichten, mit Möbeln, die kein Schaf haben möchte. So!

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